Mittwoch, 5. Oktober 2016

Herz zeigen und Liebe weitergeben...


Ich sitze gerade gemütlich auf dem Sofa mit meinem Laptop und genieße es, etwas Zeit für mich zu haben. Ich habe schon eine Waschmaschine angestellt, etwas aufgeräumt und ein paar Vorbereitungen zum Mittag getroffen. Tobias und Jannes sind in der Schule bzw. im Kindergarten.

Seit Tobias in die Schule geht ist ein neuer Zeitabschnitt angebrochen. Die morgendliche Ausschlafzeit, die ich so genossen habe ist vorbei. Jetzt heißt es Wecker stellen und möglichst auch gleich aufstehen. Anziehen, Zähne putzen und Frühstück vorbereiten. Zwischendurch den ersten Kaffee genießen. Und die Kinder dazu bewegen, dass sie sich doch endlich anziehen müssen. Die Warnung, dass Tobias sonst zu spät zur Schule kommt zieht irgendwie nicht. Ich habe manchmal das Gefühl sie wissen gar nicht, was die Wörter "schnell" und "Beeilung" bedeuten. Wenn ich sage "Tobias, beeil dich !" dann sagt er "Mama, ich beeil mich doch !" und zieht weiter die Jacke im Schneckentempo an und stellt nebenbei noch gefühlte 1000 Fragen.  Kind versus Erwachsener. Völlig unterschiedliche Sichtweisen. Macht das Leben manchmal ganz schön anstrengend, ich meine natürlich aufregend. ;-)

Das beschriebene Szenario ist zum Glück selten der Fall. Morgens klappt es bis auf eben diese seltenen Ausnahmen richtig gut. Ich bringe Tobias morgens noch in die Schule, weil er da noch so eine Überwindungsangst hat. Allein die Schulhofsituation empfindet er momentan noch als furchtbar. Viele unbekannte Kinder, die wild und frech, durch die Gegend rennen. Sobald er aber in seiner Klasse ist, ist alles gut. Mittags kommt er inzwischen alleine nach Hause, ist gut gelaunt, manchmal müde und macht sofort seine Hausaufgaben. Ich halte mich da weitesgehend raus, weil ich möchte das er die Verantwortung für seine Aufgaben übernimmt. Das klappt bisher ganz gut. Manchmal erzählt er mir was, manchmal auch nicht. Manchmal hat er etwas vergessen, dann steht das im Hausaufgabenheft und er muss es nachholen. Konsequenzen, gehören zum Leben dazu.

Mein Kind verändert sich

Insgesamt kommt er mir tatsächlich reifer vor, ich kann gar nicht genau sagen woran das liegt. Obwohl ich ihn durch die Schule wieder ein Stück loslassen muss habe ich das Gefühl dass unsere Beziehung dadurch tiefer geworden ist. Ich freue mich auch darüber, dass er es schafft mir zu sagen, wenn er Angst hat, wenn er unsicher ist, wenn er sauer auf mich ist, wenn er ein Problem hat. Ich hoffe, das bleibt so und ich kann sein sicherer Hafen bleiben.

Ich verändere mich

Das schaffe ich allerdings nur, wenn ich mich als Erwachsener zurücknehme, wenn ich Zeit habe zum Fühlen, Beobachten, Zuhören und Fragen. Das ist manchmal nicht wirklich einfach, denn da ist die Arbeit, der Haushalt, der Garten, DIY-Projekte und manchmal braucht man einfach auch mal Ruhe, nur für sich selbst, um Aufzutanken. Was ich gelernt habe in den letzten Jahren ist, das Perfektion mein Tod ist. Ich kann nicht alle Bereiche perfekt haben. Ich kann nicht alles auf einmal perfekt haben, und trotzdem genug Zeit für meine Jungs und unsere Familie haben. Früher war das ein Problem für mich. Nicht perfekt sein bedeutete schwach zu sein, nicht alles zu schaffen bedeutete nicht gut genug zu sein. Nicht wertvoll. Furchtbar oder? 

Ich bin jetzt bei mir angekommen. Dabei war mir mein Mann, aber auch meine Söhne eine wertvolle Hilfe, denn sie haben mir gezeigt, dass ich wertvoll bin und geliebt werde. Mit meinen Schwächen, mit meinen Macken, mit meinem Temperament und meiner Impulsivität. Es ist ein wundervolles Geschenk, so angenommen zu sein.

Beziehungen können so schwierig sein

Mir geht es oft so in Beziehungen, wenn ich das Gefühl habe, dass nur ich etwas für die Beziehung mache und nichts oder wenig zurückkommt,ziehe ich mich irgendwann zurück, weil ich verletzt bin und ich mich wertlos fühle. Ich sehe eine Beziehung immer wie ein Bankkonto, jeder zahlt etwas darauf ein. Nicht Geld, sondern Verständnis, Zuhören, Komplimente, für den anderen da sein, etwas für den anderen tun, Geschenke,...

Es kann mal sein, dass der eine mal weniger einzahlt als der andere, aber irgendwann gleicht sich das hoffentlich wieder aus. Problematisch wird es, wenn einer überhaupt nichts mehr einzahlt. Damit beide Partner (egal ob Ehe, Freundschaft, Kollegen, Geschwister,...) glücklich und zufrieden sind muss der Kontostand sich in etwas in Waage befinden, und im positiven Bereich. Ist eine Beziehung in Ordnung funktioniert das automatisch, und kleine Engpässe werden einfach gemeistert. Aber wenn es in einer Beziehung schwierig ist, kann das mit dem Bankkonto auch schwierig werden. 

"Ich gebe Dir nur, wenn Du mir auch gibst. Ich werde Dir alles über mich erzählen, aber nur, wenn Du mir alles über Dich erzählst. Wenn Du es nicht tust, tue ich es auch nicht. Aber ich will, also musst Du es auch tun. Ich fange an, und dann bist Du gehalten, Dich auch zu offenbaren; das ist nur gerecht. Wenn ich anfange, musst Du mir das Gefühl von Sicherheit geben. Ich muss Dir trauen können." (quid-pro-quo-Übereinkommen) 
Quelle: https://www.psychotherapiepraxis.at/artikel/systeme/beziehungskonto.phtml

Beziehungen sind überhaupt das schwierigste, denn sie fordern viel Vertrauen und Offenheit, Demut und Kompromissbereitschaft. Egoismus, Arroganz und Stolz sind in Beziehungen nicht gerne gesehen.

Liebe ist nicht das was man erwartet zu bekommen, sondern das was man bereit ist zu geben. 
Katharine Hepburn

Gott liebt uns ohne dieses miteinander-Verrechnen. 

Gott braucht kein Konto, um uns zu lieben. Er liebt uns, wenn wir einen tollen Tag hatten, aber er liebt uns auch, wenn wir Fehler machen und versagen. Er liebt uns selbst dann, wenn wir so mit uns und unserem Alttag beschäftigt sind, dass wir ihn dabei fast vergessen. Ich bin dankbar für diese unglaublich tiefe Liebe, denn sie macht mich ruhig, weil ich nicht um sie kämpfen muss. Es ist eine wirklich bedingungslose Liebe, die ich nicht erarbeiten muss. 

Ich wünsche mir für mich, dass ich es schaffe etwas mehr von Gottes Liebe an andere weiterzugeben, ohne die Erwartung etwas zurückzubekommen. Ich möchte mich nicht beeinflussen lassen von Ablehnung, aber auch nicht von Anerkennung. Selbstlose Liebe. Ich weiß, dass das ein schweres Projekt für mich ist. Aber Laotse sagte es schon: Wer kein Ziel hat, kann auch keins erreichen.

Ich freue mich über eure Meinungen, zum Thema Kinder, Liebe, Beziehungen und auch gerne über Gott.

Claudia


Das wichtigste in meinem Leben ist meine Familie - mein Mann und meine Kinder, und unser Glauben an Gott. Außerdem findest du hier leckere Rezepte, die deinen Stoffwechsel und deine Fettverbrennung anregen. Und ihr erfahrt wie man durch gesunde Ernährung und Sport abnehmen kann.